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Meisterwerkstätte für Balalaika- und Gitarrenbau

Andreas Gerth - Balalaika-Baumeister

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Die Balalaika
1. Herkunft / Ursprung

Über Herkunft und Ursprung der Balalaika gibt es zahlreiche Theorien, aber um nicht eine weitere hinzuzufügen, sei hiermit auf einschlägige Literatur hingewiesen. Atlas der Sowjetischen Volksinstrumente (Staatsmusikverlag Moskau 1975 in russischer und englischer Sprache). Großer Bildband über die Volksinstrumente der ehemaligen Sowjetrepubliken. Beinhaltet ausführliche Informationen und Detailfotos. Ist leider nur noch Antiquarisch in einigen Bibliotheken vorhanden. Ein Exemplar ist in meiner Werkstatt einzusehen.

Zahlreiche Bücher von Anatoli Peresada - Professor in Krasnodar - Alle in russischer Sprache. Einzusehen in russischen Bibliotheken und beim Autor. Anatoli Peresada - Krasnodar 350062 Vorovskogo 231 kv35 Russia

Balalaika-Schule von Bibs Ekkel (Mel Bay´s Musikverlag - ISBN 0-7866-2475-2) Im Anhang Historisches über die Balalaika - enthält viele Fotos und ist in englischer Sprache. Auch im Internet zu finden unter www.melbay.com

Michael Goldstein - Michail Ignatieff und die Balalaika - Musikverlag Zimmermann in Frankfurt/Main -In deutscher Sprache- Buch über die Arbeit des Balalaika-Solisten M. Ignatieff ,mit zahlreichen Bildern.
Dies ist nur eine kleine Auswahl und erhebt natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Viele Bücher über dieses Thema sind nur noch Antiquarisch zu bekommen oder wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr aufgelegt. Die in deutschen Bibliotheken vorhandenen Publikationen zu diesem Thema zeugen meistens nicht von genügendem Sachverstand und sind deshalb nicht empfehlenswert.

2. Die Balalaika als Konzertinstrument

Die Balalaika, wie wir sie heute von Plattenaufnahmen und Liveauftritten her kennen, ist gerade ca. 100 Jahre alt. Verglichen mit der Violine ein recht junges Instrument.
Zu verdanken haben wir diese Form W.W. Andreew, einen Gutsbesitzer aus St.Petersburg bzw. Marjino Andreieffskoje der aus dem zunächst einfachen Instrument, ein Konzertinstrument entwickelte.
W.W.Andreew - es gibt zahlreiche Bücher über das Lebenswerk von Andreew- die meisten in russischer Sprache.
Zu erwähnen sei hier ein großer Bildband zum 100 jährigen Bestehen des Andreew-Orchesters mit wirklich hervorragenden Fotos. Verlag Musica Leningrad 1987.
Andreew interessierte sich derart für die Balalaika, daß er ihr sein ganzes Leben widmete. Zunächst erlernte er das Balalaika-Spiel auf einem einfachen Instrument, das ein Bauer auf seinem Gut spielte.

Bauer Antip mit seiner Dorfbalalaika

Bauer Antip

Nach anfänglichen Versuchen mit Verschiedenen Instrumentenbauern, die jedoch für die Entwicklung der Balalaika nicht entscheidend waren, ließ Andreew beim St.Petersburger Geigen- und Gitarrenbaumeister F.Passierbski die erste Chromatische Balalaika anfertigen.
Nach heutigen Erkenntnissen fertigte jedoch nicht Passierbski selbst, sondern ein Angestellter seiner Werkstatt diese Instrumente.

Balalaika von F. Passierbski

Später lies er Instrumente von Semion Nalimoff entwickeln. Nalimoff war von Haus aus kein Instrumentenbauer, sonder Kunsttischler aus Twer. Nach seinem Baustiel werden heute die meisten Balalaiken gebaut. Mit Nalimoff entwickelte Andreew auch die verschiedenen Balalaika-Größen für das Orchester.


Nalimoff Balalaiken

 

 

 

 

 

 

Die Balalaika zu dieser Zeit als Volksinstrument zu bezeichnen, ist bei den damaligen Preisen von 10 - 200 Rubeln leicht fehl am Platz, wenn man bedenkt, daß eine Kuh zu dieser Zeit 10 Rubel kostete.

10 Rubel-Schein von 1907

3. Konstruktion und Bau

Bei allem Respekt gegenüber der Hersteller damaliger Zeit, gibt es jedoch keine traditionelle Instrumentenbau-Tradition. (Analog zu den Geigenbaudynastien in Cremona, Mittenwald, Marktneukirchen.)
Viele Instrumentenbauer kamen aus West-Europa in das aufstrebende ST.Petersburg.Der am weitesten verbreitete Name um 1900 war übrigens "Schmidt". Auch Nalimoff war wie schon erwähnt nur Kunsttischler.
Nachdem ich mehr als 20 seiner Instrumente gespielt bzw. repariert habe, komme ich zu der Ansicht, daß er Instrumente für Musiker (mit hervorragendem Klang) und solche für zahlungskräftige Kunden (vergleiche Preise) mit zwar sehr schönen Intarsienarbeiten und Perlmuteinlagen fertigte, die absolut ohne Ton sind.
Die Revolution machte dann einen jähen Schnitt - Individualität war plötzlich nicht mehr gefragt - alles wurde kollektiviert und schöpferische Initiative nicht mehr gebraucht. Trotzdem machte sich die Partei die Volkskultur zu eigen - das zeigt auch das viele adlige Musiker im Lande blieben und nicht verfolgt wurden - wer sollte auch das musikalische Wissen weitergeben.
Um den Bedarf an Volksinstrumenten zu decken, wurden in St. Petersburg und Moskau Instrumentenwerkstätten eingerichtet, die bis zum heutigen Tag bestand haben.
Lunatscharskij - St.Petersburg
Experimentalnaja - Moskau
Trotz aller widrigen Umstände gab es auch Einzelanfertigungen - hier ist besonders Sotzki zu erwähnen, dessen Instrumente von hervorragender Qualität sind und denen von Nalimoff häufig vorgezogen werden. Leider gibt es über Sotzki so gut wie keine Informationen.
Durch die Distanz der Fabriken in St.Petersburg (Leningrad) und Moskau kam es zu unterschiedlichen Klangidealen. Während in Moskau mehr die dunklen Klangfarben gefragt sind, dominieren in St.Petersburg mehr hellere Töne. Auch in spieltechnischer Hinsicht zeigen sich diese Unterschiede.
Mit der Zeit entwickelten auch in den Fabriken einzelne Handwerker Ihre Fähigkeiten. Gute Instrumente wurden aber vorwiegend in Handarbeit, nach der eigentlichen Arbeit in der Fabrik hergestellt. Ihre Namen aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen - einige werden bei den Konstruktionsprinzipien erwähnt.

4.Baustile

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Baustile bzw. Konstruktionsmerkmale.

  • den Passierbski-Stil - mit 7 Bodenteilen

  • den Nalimoff-Stil - mit 6 Bodenteilen

Nalimoff <-------- -------------Passierbski


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vertreter sind hier Burow, Grigorief,         Vertreter sind hier Galinis, Kupfer, Süsin Sotzki, Saizew, Gerth und andere.                                  und andere.                                                                                             

5. Aufbau und Einzelteile einer Balalaika

Rohmaterial aus Ahorn vor der Bearbeitung

Bodeneinzelteile der Balalaika

Fertiger Boden mit eingesetztem Hals - Rohdecke mit Intarsieneinlage


Fast fertige Balalaika mit Griffbrett und fertig gebeizter Decke

 

6. Resümee

Mit der Umstrukturierung in Russland hat sich auch das Verhältnis zur Kultur gewandelt. Volksmusik ist nicht unbedingt gefragt. Die Lebensumstände zwingen zu anderen Einnahmequellen. Zwar werden an Musikschulen und Konservatorien nach wie vor junge Leute zu Balalaika-Domra und Bajansolisten ausgebildet, aber der Anteil ist doch deutlich geringer geworden. Vielleicht wird man sich eines Tages wieder der alten Traditionen besinnen.
Bis dahin kann man nur wünschen, dass sich Außenstehende der Balalaika annehmen und nicht zum Museumsinventar verkommen lassen.

Andreas Gerth
Balalaika - Baumeister

Anfragen zu dem Thema Balalaika und der ganzen Site sind willkommen. Ich beantwortete gerne Ihre Fragen diesbezüglich.

 
   

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